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Der Kodex des Westens
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In einem Leserbrief an das Magazin „American Cowboy“ beginnt der Schreiber mit den Zeilen „Warum braucht Amerika den Cowboy?“ und gibt gleich die Antwort „weil es dieser Spirit ist, der uns so macht wie wir sind – er macht uns zu Amerikanern“.

Die amerikanische Gesellschaft hat diesen „Spirit“, im Westen wie im Osten, ohne dass ihr immer bewusst ist, welche Wurzeln ihr Zusammenleben geprägt haben. Es ist der „Code of the West“, jener Kodex einst ungeschriebener Gesetze und Regeln aus der Zeit des Alten Westens, als noch kein Stacheldraht die Prärien und Plains durchzog.


 

THE CODE OF THE WEST

Dieser Kodex ist eine seltsame Mischung aus Nächstenhilfe und oft brutaler „Rechtsprechung“, aus Fairness, Gefälligkeit und Gewalt. Es ist die Widersprüchlichkeit des Kodex, der das Leben damals so regelte, dass jeder sich auf ihn berufen konnte, weil die Regeln jede Auslegung zuließen. Der Kodex ist zunächst ein moralischer Leitfaden, appelliert an das Gute im Menschen, andererseits sanktioniert er jedoch genau gegenteiliges Handeln.

Das heutige Amerika erscheint in gleicher Weise voller Widersprüche – Gerechtigkeitsfanatismus bei unnachgiebiger Intoleranz gegen Minderheiten, bigotte Religiösität bei rücksichtsloser Durchsetzung eigener Interessen.

Die Legenden, die sich um den Friedensrichter Roy Bean oder um den Rinderbaron Charles Goodnight gebildet haben verdrängen alle, deren Unrecht und Verbrechen, die sie unter Berufung auf den Code begangen haben. So haben auch viele Rancher den Code nach ihrer Version ausgelegt, wie jener, der, um sein Eigentum zu schützen, Zäune um sein Land zog, jedoch die Zäune des Nachbarn durchschnitt, indem er sich auf die Freiheit der Prärie berief, wie es der Code ebenfalls postulierte.

DER CODE – ETHIK DER FAIRNESS

So widersprüchlich die ungeschriebenen Gesetze auch waren, sie ordneten als allgemein anerkannte Ethik der Fairness, das Leben der Rancher und Cowboys. Die wichtigsten Prinzipien des „Code of the West“ regelten gleichsam alles, was das Zusammenleben im damaligen Alltag betraf. Denn die Gelegenheiten für Übeltaten waren in dem weiten, dünn besiedelten Land nahezu unbegrenzt.

Oberstes Gesetz war sein Manneswort zu halten. So warf der Vormann einer Ranch in Montana einen Cowboy hinaus, weil er einer Prostituierten nicht den zugesagten Freierlohn gezahlt hatte. In Geldangelegenheiten vertrauten die meisten Cowboys einander, Geldgeschäfte wurden per Handschlag besiegelt. Ein Cowboy aus North Dakota gab die Hälfte seines Lohns, den er für das Graben von Löchern für Zaunpfähle erhalten hatte zurück, weil er ein Loch nicht tief genug gegraben hatte.

Wenn die Löhne ausgezahlt werden sollten, konnten die Rancher die Säcke mit dem Geld offen liegen lassen, ohne dass man sie anrührte, bis die Männer sich ihren Lohn abholten. Viehkäufer erwarben per Handschlag ganze Herden, ohne dass sie ein einziges Vieh gesehen haben. Einer sollte dem Anderen helfen, wo es nötig war, sich aber nicht in dessen private Angelegenheiten einmischen oder nach seiner Vergangenheit fragen. Gastfreundschaft für den vorbeiziehenden Cowboy war oberste Verpflichtung.

In Texas hatte ein Rancher zwei Cowboys auf Arbeitssuche zu essen gegeben und verlangte anschließend 50 cent. Die Cowboys brannten daraufhin ob dieser Verletzung des Codes, einem der Stiere des Ranchers die Botschaft „meals – 50 cts“ in die Flanke, damit jeder sehen konnte, dass der Rancher diesen Code gebrochen hatte und Schmach über ihn kam.

Das Pferd war eines Mannes wichtigster und unantastbarer Besitz, was die Schlinge für den Pferdedieb bedeutete. Es war wichtig, einen guten Namen zu haben und zu verteidigen. Wer den Code brach, den traf mindestens Verachtung und Spott.

CODE DER GEWALT

Dieser Kodex funktionierte gut, weil er einfach war. Wenn gegen den Kodex verstoßen wurde und es zu Meinungsverschiedenheiten oder Streit kam, wurde der Code jedoch aus der jeweiligen Sicht neu definiert, dann ging Gewalt vor Recht. Beides lag sehr nahe beieinander. Der Kodex des Westens und die Gewalt, die ihn entwickeln half, existierten nicht nur in einer unentwirrbaren Symbiose, sondern bildeten zusammen die Hauptquelle für die Legenden, die den leichtgläubigen „Easternern“ in Groschenromanen erzählt wurden.

Wohl trug der Cowboy des alten Westens eine Waffe, aber nur um sich und die Herde vor Bären, Mountain Lions, Wegelagerern und Indianern zu schützen, oder um Warnsignale geben zu können. Die Roman- und Filmversion vom Cowboy als Revolverhelden ist eine erfundene Figur, die erst mit der weitgehenden Einzäunung der Plains Wahrheitsgehalt bekam. Mit Ende der open range sahen die Cowboys ihre Existenz gefährdet, wurden arbeitslos, viele schlossen sich räubernden Banden an. Durch die fast völlige Einzäunung des Weidelands in den 1890er Jahren wurde der „Kodex des Westens“ außer Kraft gesetzt.

Als ab dem Jahre 1874 durch Joseph F. Glidden’s Erfindung des Stacheldrahts die Siedler und Rancher ihr Farm- und Weideland einzuzäunen begannen, und Vieh- und Pferdediebstahl an der Tagesordnung war, bildeten sich im Westen immer mehr Vigilanz-Komitees zur Selbstjustiz. In deren Namen wurden Vieh- und Pferdediebe, Posträuber und Zaunschneider am nächsten Baum aufgehängt, oft zu Recht, aber auch auf bloßen Verdacht hin.

Häufig waren Mitglieder solcher Komitees von Rinderbaronen gedungene Killer, die verharmlost Viehdetektive oder Viehinspektoren genannt wurden. Die Rinderbarone ließen Herden im Wert von Millionen Dollars auf der Range weiden, zu deren Schutz professionelle „gunmen“ ihre schmutzige Arbeit verrichteten. Einer der berüchtigsten Detektive war Tom Horn, der für 500 Dollar jeden Viehdieb erschoss. Tom Horn endete 1903 in Cheyenne am Galgen. Die Vigilanz-Komitees gab es schon seit den 1860er Jahren, wobei deren Rechtsverständnis im Sinne des Kodex doch ausgeprägter war im Vergleich zu ihren Nachfolgern: zwei, drei Jahrzehnte später.

DAS ENDE DES CODES – DAS ENDE DES WESTENS

In den 1890er Jahren entbrannten im ganzen Westen diverse Weidekriege, wie der in Johnson County 1891/92 in Wyoming, der dem Cowboy das Image des schießwütigen Desperados einbrachte. So wurden Schießereien zum spektakulären Ausdrucksmittel des Westens, hatten jedoch mit dem Alten Westen nichts gemein. Spätestens in diesen Jahren gehörten der Cowboy und der „Code of the West“ in ihrer ursprünglichen historischen Einordnung der Vergangenheit an.

1893 verkündete der Historiker Frederic Jackson Turner in seinem Vortrag „The Significance of the Frontier in American History“, der dann zu einem der berühmtesten Dokumente der amerikanischen Geschichte wurde, das Ende der Grenze und damit der Pionierzeit Amerikas. 1894 drehte Thomas A. Edison mit den Wildwest-Show-Sujets von Buffalo Bill die ersten richtigen Filme. John Ford, der als der größte Western- Macher gilt, wurde im gleichen Jahr geboren.

Hier beginnt eine neue Ära – das Ende des Westens, der Beginn des Western.

Lesen Sie weiter im nächsten Westernreiter! saddle up and so long – HANK


Quelle:
Hank für westernreiter (EWU)

Liebe Leserin, lieber Leser! Welcome back, lieber Hank! Nach einigen Monaten kreativer Schaffenspause freuen wir uns ganz besonders auf neue und spannende Episoden unserer Serie „Mythos Cowboy”. Durch die riesige, durchweg positive Resonanz unserer Leser konnten wir unseren Hank nun für weitere, exclusiv für den Westernreiter geschriebene Storys begeistern. Ihr Heinz Montag


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Quellewesternreiter

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